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Montag, 3. August 2015

No. 3 - Kleine Geschichte

Hallo ihr Lieben,

heute eine kleine Geschichte, die ich während dem Essen erzählt bekommen habe und mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat.
Die Namen sind frei erfunden, aber die Geschichte ist wahr und leider auch kein Einzelfall.

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Luisa ist zwölf Jahre alt, hat keine Eltern mehr und wohnt schon seit einigen Jahren im Kinderheim. Ihre Schulnoten sind sehr schlecht, deswegen wiederholt sie immer noch das vierte Schuljahr.
Sie sitzt als Älteste in der Klasse und kommt trotzdem nicht mit. Aus Frust nimmt sie ihren Bleistiftspitzer auseinander und versucht sich mit der scharfen Kante zu ritzen. Weder Schul - noch Heimleitung weiß, was sie mit Luisa machen sollen und schicken sie deswegen in ein Schwesternhaus.

Schwester Cecilia nimmt sie auf. Sie darf dort essen und schlafen, hilft dafür ein wenig im Haushalt. Gemeinsam suchen sie sich zwei Schulen aus, die sie schon am nächsten Tag besuchen. Die zweite Schule gefällt ihr, denn dort können Schulabbrecher versuchen, wieder Anschluss zu finden. Damit ihr der Einstieg leichter fällt, kauft Sr. Cecilia ihr einen neuen Schulranzen und das sonstige Zubehör.

So beginnt Luisas neuer Alltag. Sie kommt jeden Tag zur gleichen Zeit nach Hause, macht ordentlich ihre Hausaufgaben und hilft im Haushalt. Eines Tages zeigt sie stolz Sr. Cecilia, wie sie in einem Test 70 von 70 Punkten erreicht hat. Als Belohnung bekommt sie ein wenig Taschengeld.
Die nächsten Tage verlaufen ähnlich, doch an einem Tag kommt sie nicht wie gewöhnlich nach Hause. Sr. Cecilia wartet, macht sich Sorgen und fährt dann schließlich zur Schule.

            Sie fragt den Lehrer: „Wo ist denn Luisa?“
            Er sagt zu ihr, dass Luisa nur ein einziges Mal hier gewesen sei, am Tag als Sr. Cecilia
             sie her brachte.
            „Aber sie hat doch immer Hausaufgaben gemacht und einen Test geschrieben“, meint
             Sr. Cecilia.
            Der Lehrer sagt darauf hin nur, dass es keine von seiner Schule seien.

Nachdem Luisa sich drei Wochen nicht gemeldet hat, klingelt es beim Schwesternhaus und Luisa steht völlig dreckig vor der Tür, ihre Kleidung zerissen, ihr Gesicht schwarz. Sie will ihre restlichen Kleidungsstücke aus ihrem Zimmer mitnehmen.

           „Wo warst du und wieso hast du dich nicht gemeldet?“, fragt Sr. Cecilia besorgt.
           Glücklich sagt sie, dass sie jetzt auf der Straße lebe und es ihr gut gefalle. Sie sei
           komplett frei und wenn sie Hunger habe, klaue sie einfach.
           „Aber wo schläfst du denn?“, möchte Sr. Cecilia wissen.
           Sie sagt, dass sie bei einer älteren Frau wohne, wenn sie ihr im Haushalt helfe.
           „Das ist doch an sich eine gute Sache, dennoch möchte ich gerne mit dieser Frau
            reden und ihr sagen, dass sie gut auf dich aufpassen soll“, sagt Sr. Cecilia.
           Es sei doch keine ältere Frau, sondern ein älterer Mann, verbessert Luisa sich selbst.
           „Dann möchte ich mit ihm reden“, entgegnet ihr Sr. Cecilia.

Am Ende stellt sich heraus, dass sie bei einem 30 – jährigen Mann untergekommen ist. Sr. Cecilia ruft das Jugendamt an und woraufhin Luisa wieder ins Kinderheim kommt. Doch ein paar Tage später läuft sie weg und lebt wieder auf der Straße. Mittlerweile ist sie 14 Jahre alt.

Es klingelt wieder am Schwesternhaus und Luisa steht vor der Tür. Sie braucht Geld für eine Ultraschall – Untersuchung, denn sie ist von dem Mann geschwängert worden. Sr. Cecilia fühlt sich noch verantwortlich für das Mädchen und gibt ihr 50 Bolivianos. Sie kommt immer wieder und fragt nach Geld für weitere Untersuchungen. Sr. Cecilia unterstützt sie weiterhin.

           „Du bist jetzt schon im 9. Monat und dein Junge kommt bald auf die Welt, hast du
            denn schon Kleidung und andere Sachen für ihn?“ , fragt Sr. Cecilia.
           Wovon solle sie sich das denn kaufen, sie verdiene nichts und könne sich so etwas
            nicht leisten.
           Sr. Cecilia denkt sich: „Der arme Junge kann ja nichts dafür.“ Also kauft sie für
           Luisa eine Babyausrüstung.

Der Junge kommt auf die Welt und Luisa klingelt regelmäßig, damit Sr. Cecilia ihr Material kauft. Sie gibt ihr kein Geld, sondern nur Milch oder Kleidung. Eines Tages möchte Luisa Geld für einen Fernseher, denn der Arzt meinte, dass dem Jungen Reize fehlen und sich das durch Fernsehen verbessern würde.

           „Ich habe dir schon so viele Sachen gekauft, aber einen Fernseher werde ich dir
            nicht kaufen. Du würdest dein Kind nur vernachlässigen und den ganzen Tag
            vor dem Fernseher verbringen.“, sagt Sr. Cecilia verärgert, „das einzige, was ich
            dir anbieten kann, ist, dass ich mich um dein Kind tagsüber kümmere, damit du
            arbeiten kannst.“

Das will Luisa nicht und geht beleidigt davon. Es vergehen Wochen bis es wieder klingelt. Ihr Freund habe sie verlassen, weil er eine Familie in einer anderen Stadt habe und keine Freundin möchte, die wie ein Straßenhund lebe. Sie ist völlig aufgelöst und weiß nicht, was sie machen soll. Sr. Cecilia bietet ihr wieder an, das Kind tagsüber gut zu betreuen, damit sie arbeiten gehen kann. Doch wieder lehnt sie ab und verschwindet.

Das war das letzte Mal, dass sie miteinander geredet haben.

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Wie gesagt passieren solche Dinge nicht selten, sondern sind eher Regelfälle. Die meisten volljährigen Mädchen, die im Kinderheim gelebt haben, machen solche Erfahrungen nachdem sie in die „Realität“ kommen. Wenige schaffen den Weg zum Studium oder zur Ausbildung, denn es ist einfacher, ohne Druck bzw. ohne Regeln zu leben. Und genau dieses Leben finden sie auf der Straße wieder, ohne aber die Konsequenzen zu ahnen. Ihnen ist nicht bewusst, dass manche Männer sie nur ausnutzen wollen, wenn sie sagen, dass sie ihre große Liebe wären. Sie werden schwanger und müssen Verantwortung für ein anderes Leben übernehmen, obwohl sie ihr eigenes Leben nicht mal richtig in den Griff bekommen.

Ich wollte euch diese Geschichte erzählen, damit ihr euch bewusst werdet, was ihr habt.
Für mich ist es unvorstellbar, keine Eltern zu haben, die einen unterstützen oder kein richtiges Zuhause zu haben. Deswegen bin ich meiner ganzen Familie so dankbar. Danke, dass es euch gibt, dass ihr immer für mich da seid und hinter mir steht.  DANKE 

Bis zum nächsten Post,
eure My

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