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Samstag, 10. Oktober 2015

No. 10 - Mein Alltag

Hallo meine Lieben,

seit meinem letzten Post ist einiges passiert. Ist ja wirklich schon ein Weilchen her. Ich mache immer so viele Bilder und Videos, aber komme nicht dazu sie zu schneiden... Was ich alles erlebt habe, schreibe ich einem anderen Post.

Heute will ich euch nur zeigen, wie mein Alltag so abläuft. Dazu gibt es natürlich auch ein Video. Viel Spaß dabei!

Das ist der erste Teil des ganzen Videos. Ich weiß gerade auch nicht, wieso ich das hier nicht einfügen kann. Aber klickt einfach auf den Link:




Falls ihr nicht alles verstanden habt, hier ist der gesprochene Text zum Video.

Hallo, mein Name ist My, ich bin 19 Jahre alt und arbeite als FSJ'lerin ein Jahr in dem Montessori Kindergarten 'Casa de Ninos' in Bolivien, genauer gesagt in Cochabamba.
Den Kindergarten gibt es seit 2006. Damals waren 'nur' 40 Kinder, heute kümmert sich ein Team von 15 Frauen um 170 Kinder im Alter von 2-6 Jahren, alles unter der Leitung von Schwester Cornelia.
Die meisten Eltern sind Händler, die auf dem Markt kaum Geld verdienen und normalerweise ihre Kinder mitnehmen. Der Kindergarten in der Cancha bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Kinder bis zum Nachmittag betreuen zu lassen. Da sich schnell herumgesprochen hat, dass die Kinder schnell und besser mit der Montessori Pädagogik lernen, stehen hier täglich Mütter, die ihre Kinder anmelden wollen.
Ich persönlich halte auch sehr viel von der Montessori Pädagogik und mir bereitet die Arbeit mit den Kindern große Freude.

Wie genau MEIN Alltag aussieht, werdet ihr jetzt erfahren:

Gegen sieben Uhr beginnt mein Tag. Ich stehe auf, mache mich fertig und gehe nach unten, um zu frühstücken. Meistens frühstücke ich alleine, da die Schwestern bereits arbeiten oder sich auf den Weg zur Arbeit machen. Bei mir ist es ganz praktisch. Ich wohne direkt im Kindergarten und 'Sala Lila', die Klasse, in der ich arbeite, liegt neben meinem Zimmer.

Um 8:00 Uhr beginnt mein richtiger Arbeitstag mit einer halben Stunde Vorbereitungszeit für meinen Englischunterricht. In dieser Zeit kann ich sämtliche Materialien erstellen, um den Kinder das Englischlernen zu erleichtern.

Nach dieser Vorbereitungszeit gehe ich in meine Klasse. 32 Kinder im Alter von 3-6 Jahren werden hier von 2 Erzieherinnen und seit August auch von mir betreut. Sie kommen zwischen 8 und 9 Uhr an und werden um 16 Uhr abgeholt.
Bis alle Kinder da sind, beschäftigen sie sich mit den Montessori Materialien. Zu diesen komme ich aber später noch.

Für die Kinder beginnt um 9:00 der erste Sitzkreis und für mich die erste Stunde von insgesamt zwei Stunden je 45 min Englisch. Alle 5 – 6 Jährigen haben einmal die Woche in einer Gruppe von 4-8 Kindern mit mir Unterricht. Ich hole die erste Gruppe von der Klasse ab und bringe sie in den Garten, wo Tisch und Stühle schon bereitstehen.
Mit Hilfe von Spielen und Liedern ist es gar nicht mal so schwer, ihnen eine neue Sprache beizubringen. Zudem ist es schon ihre 2. Fremdsprache. Einige Vokabeln auf Quetchua, die Sprache der Inka, erlernen die Kinder schon mit verschiedenen Materialien. Damit ihr euch selbst ein Bild über meinen Unterricht machen könnt, hier einige Ausschnitte:

Nach jeder dreiviertel Stunde Englisch habe ich 15 Minuten Pause, um mir über jeden Schüler Notizen zu machen. Denn hier bekommen die Kinder nach jedem Halbjahr ein Zeugnis.

Um 11 Uhr begebe ich mich wieder in meine Klasse. Dort helfe ich den Erzieherinnen auch beim Basteln, wenn Feiertage anstehen und die Kinder etwas mit nach Hause nehmen. Wie zum Beispiel am Tag Boliviens eine bolivianische Flagge oder am Tag Cochabambas einen Hut.
Damit die Kinder auch das Schreiben auf englisch lernen, habe ich ein Buch erstellt, das ich allerdings von Hand für meine Klasse achtzehn mal kopieren muss. Wenn aber gerade nichts handwerkliches ansteht, was meistens der Fall ist, helfe und beobachte ich die Kinder beim Arbeiten mit dem Montessori Material.

Welche Materialien das so sind, zeige ich euch jetzt.
Montessoris Leitprinzip ist: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Jedes Kind hat die Freiheit selbst zu entscheiden, mit welchem Material es sich beschäftigen möchte und wie oft. Zu fast jedem Material gibt es Lösungen, damit sich die Kinder selbst kontrollieren können, auch ein sehr wichtiger Punkt bei Montessori.

Diese Materialien sind auf die Größe der Kinder angepasst und dienen als Übungen des täglichen Lebens. So können sie zum Beispiel das Umfüllen oder das Umgehen mit Pinzette und sonstigen Alltagswerkzeugen lernen. Dabei wird zudem die Motorik des Kindes verbessert.
Ebenso ist die Sinnesschulung in der Montessori-Pädagogik sehr wichtig.

Wenn sich die Kinder für die Natur oder verschiedene Vorgänge in der Natur interessieren, können sie sich mit dem Material aus der kosmischen Erziehung auseinandersetzen.

In der Sprachlichen Erziehung bieten sich für die Kinder genauso viele Möglichkeiten an, um sich das Alphabet, das Lesen und Schreiben anzueignen. Die Jüngsten aus der Klasse lernen dabei die Buchstaben erst kennen und üben viel mit den Vokalen. Da sie das schon sehr früh lernen, können sie spätestens mit 5 Jahren lesen. Um auch das zu verstehen, was sie lesen, gibt es viele Zuordnungsübungen.
Es ist sehr schön zu sehen, wenn sich Kinder einfach umschauen und das lesen, was sie sehen.

Ein anderer Bereich ist die Mathematik. Es gibt wieder Material für die Kleinsten in der Klasse, mit denen sie lernen, wie die Zahlen aussehen und welche Menge hinter jeder Zahl steckt. Die Älteren lernen hier schon das Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Schön finde ich, wenn sich schon vierjährige Kinder an die Materialien der Älteren trauen und es auch verstehen. Da die Klassen altersgemischt sind, kann ich oft beobachten, wie ein älteres Kind dem jüngeren das Material erklärt.

Mit dieser Vielfalt von Material kann sich jedes Kind bis zum Sitzkreis um 12 Uhr beschäftigen. In diesem Sitzkreis wird immer wieder etwas anderes gemacht. Die Erzieherin erklärt mal ein Experiment, stellt Material vor, übt einige Vokabeln auf Quechua, macht eine kleine Fragerunde, singt mit den Kindern oder bewegt sich mit ihnen. Währenddessen bereitet die andere Erzieherin mit einem Kind das Mittagessen vor, das heißt der Tisch wird gedeckt und das Essen verteilt.
Wenn alles bereitsteht, meistens um 12:30 Uhr, begeben sich die Kinder zum Mittagessen und ich mich in meine Mittagspause, die ebenfalls mit dem Mittagessen beginnt. Das Essen wird von einer Köchin vorbereitet und steht schon bereit.

Um 14 Uhr gehe ich wieder in meine Klasse. Dort sieht man die Kinder schon fleißig ihre Aufgaben machen. Meistens wird das Material, an dem sie vormittags gearbeitet haben, schriftlich festgehalten. Auch das Abzeichnen von verschiedenen Figuren oder Linien wird hier oft geübt als Vorbereitung auf das richtige Schreiben. Die Älteren schreiben dann auch schon richtige Wörter.

Einmal die Woche kommt eine Lehrerin in jede Klasse und gibt zwei Stunden Musikunterricht. Sie singt und tanzt mit den Kindern.

Jeden Freitag hat jede Klasse eine dreiviertel Stunde lang Sport, ebenfalls mit einem Lehrer. Mir wurde gesagt, dass hier fast jeder Lehrer an mindestens zwei verschiedenen Stellen arbeitet. Vormittags an einer Schule, nachmittags in einem Kindergarten oder einer anderen Schule und abends eventuell noch in einer Abendschule.

Nachmittags bekommt jedes Kind einen kleinen Snack. Merienda wird es hier genannt. Wackelpudding oder Kuchen gibt es hier eher seltener, für gewöhnlich werden Früchte wie Bananen, Ananas, Mandarinen, Orangen oder Papaya verteilt.

Wer fertig ist, wechselt seine Schuhe, holt seinen Rucksack und setzt sich das letzte Mal für den Tag in den Sitzkreis. In der letzten halben Stunde kann ich mit den Kindern singen. Auch englische Lieder oder Lieder, die ich noch aus meiner Kindergartenzeit kenne, wie Aramsamsam. Den Kindern scheint es zu gefallen.

Um viertel vor vier stellen sich die Kinder zu zweit auf und wir begeben uns gemeinsam in den Hof, wo die Kinder auf ihre Eltern warten bzw. schon manche Eltern auf ihre Kinder warten. Bis aber alle Kinder abgeholt sind, was spätestens um halb fünf der Fall ist, können sie miteinander spielen. Mein Arbeitstag ist um diese Zeit dann auch zu Ende.

So meine Lieben, das wars zu meinem Arbeitstag. Wie der restliche Tag noch verläuft, hängt vom Wochentag ab. Montags und freitags gehe ich zum Volleyball und Donnerstag habe ich Spanischunterricht. Die restlichen Tage bleibe ich zu Hause, nur am Wochenende treffe ich mich manchmal mit den anderen Freiwilligen.


Ich hoffe, dass Video hat euch gefallen und ihr könnt euch jetzt besser vorstellen, wie es bei mir so zu geht.

Bis zum nächsten Post alles Liebe aus Bolvien, eure My  

1 Kommentar:

Jazzschess hat gesagt…

Ganz tolles Video My! Vermisse dich sehr! Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß in Bolivien ♥
Jessica