Hallo meine Lieben,
seit meinem letzten Post ist einiges
passiert. Ist ja wirklich schon ein Weilchen her. Ich mache immer so
viele Bilder und Videos, aber komme nicht dazu sie zu schneiden...
Was ich alles erlebt habe, schreibe ich einem anderen Post.
Heute will ich euch nur zeigen, wie
mein Alltag so abläuft. Dazu gibt es natürlich auch ein Video. Viel
Spaß dabei!
Das ist der erste Teil des ganzen Videos. Ich weiß gerade auch nicht, wieso ich das hier nicht einfügen kann. Aber klickt einfach auf den Link:
Falls ihr nicht alles verstanden habt,
hier ist der gesprochene Text zum Video.
Hallo, mein Name ist My, ich bin 19
Jahre alt und arbeite als FSJ'lerin ein Jahr in dem Montessori
Kindergarten 'Casa de Ninos' in Bolivien, genauer gesagt in
Cochabamba.
Den Kindergarten gibt es seit 2006.
Damals waren 'nur' 40 Kinder, heute kümmert sich ein Team von 15
Frauen um 170 Kinder im Alter von 2-6 Jahren, alles unter der Leitung
von Schwester Cornelia.
Die meisten Eltern sind Händler, die
auf dem Markt kaum Geld verdienen und normalerweise ihre Kinder
mitnehmen. Der Kindergarten in der Cancha bietet ihnen die
Möglichkeit, ihre Kinder bis zum Nachmittag betreuen zu lassen. Da
sich schnell herumgesprochen hat, dass die Kinder schnell und besser
mit der Montessori Pädagogik lernen, stehen hier täglich Mütter,
die ihre Kinder anmelden wollen.
Ich persönlich halte auch sehr viel
von der Montessori Pädagogik und mir bereitet die Arbeit mit den
Kindern große Freude.
Wie genau MEIN Alltag aussieht, werdet
ihr jetzt erfahren:
Gegen sieben Uhr beginnt mein Tag. Ich
stehe auf, mache mich fertig und gehe nach unten, um zu frühstücken.
Meistens frühstücke ich alleine, da die Schwestern bereits arbeiten
oder sich auf den Weg zur Arbeit machen. Bei mir ist es ganz
praktisch. Ich wohne direkt im Kindergarten und 'Sala Lila', die
Klasse, in der ich arbeite, liegt neben meinem Zimmer.
Um 8:00 Uhr beginnt mein richtiger
Arbeitstag mit einer halben Stunde Vorbereitungszeit für meinen
Englischunterricht. In dieser Zeit kann ich sämtliche Materialien
erstellen, um den Kinder das Englischlernen zu erleichtern.
Nach dieser Vorbereitungszeit gehe ich
in meine Klasse. 32 Kinder im Alter von 3-6 Jahren werden hier von 2
Erzieherinnen und seit August auch von mir betreut. Sie kommen
zwischen 8 und 9 Uhr an und werden um 16 Uhr abgeholt.
Bis alle Kinder da sind, beschäftigen
sie sich mit den Montessori Materialien. Zu diesen komme ich aber
später noch.
Für die Kinder beginnt um 9:00 der
erste Sitzkreis und für mich die erste Stunde von insgesamt zwei
Stunden je 45 min Englisch. Alle 5 – 6 Jährigen haben einmal die
Woche in einer Gruppe von 4-8 Kindern mit mir Unterricht. Ich hole
die erste Gruppe von der Klasse ab und bringe sie in den Garten, wo
Tisch und Stühle schon bereitstehen.
Mit Hilfe von Spielen und Liedern ist
es gar nicht mal so schwer, ihnen eine neue Sprache beizubringen.
Zudem ist es schon ihre 2. Fremdsprache. Einige Vokabeln auf
Quetchua, die Sprache der Inka, erlernen die Kinder schon mit
verschiedenen Materialien. Damit ihr euch selbst ein Bild über
meinen Unterricht machen könnt, hier einige Ausschnitte:
Nach jeder dreiviertel Stunde Englisch
habe ich 15 Minuten Pause, um mir über jeden Schüler Notizen zu
machen. Denn hier bekommen die Kinder nach jedem Halbjahr ein
Zeugnis.
Um 11 Uhr begebe ich mich wieder in
meine Klasse. Dort helfe ich den Erzieherinnen auch beim Basteln,
wenn Feiertage anstehen und die Kinder etwas mit nach Hause nehmen.
Wie zum Beispiel am Tag
Boliviens eine bolivianische Flagge oder am Tag Cochabambas einen
Hut.
Damit die Kinder auch das Schreiben auf
englisch lernen, habe ich ein Buch erstellt, das ich allerdings von
Hand für meine Klasse achtzehn mal kopieren muss. Wenn aber gerade
nichts handwerkliches ansteht, was meistens der Fall ist, helfe und
beobachte ich die Kinder beim Arbeiten mit dem Montessori Material.
Welche Materialien das so sind, zeige
ich euch jetzt.
Montessoris Leitprinzip ist: „Hilf
mir, es selbst zu tun.“ Jedes Kind hat die Freiheit selbst zu
entscheiden, mit welchem Material es sich beschäftigen möchte und
wie oft. Zu fast jedem Material gibt
es Lösungen, damit sich die Kinder selbst kontrollieren können,
auch ein sehr wichtiger Punkt bei Montessori.
Diese Materialien sind auf die Größe
der Kinder angepasst und dienen als Übungen des täglichen Lebens.
So können sie zum Beispiel das Umfüllen oder das Umgehen mit
Pinzette und sonstigen Alltagswerkzeugen lernen. Dabei wird zudem
die Motorik des Kindes verbessert.
Ebenso ist die Sinnesschulung in der
Montessori-Pädagogik sehr wichtig.
Wenn sich die Kinder für die Natur
oder verschiedene Vorgänge in der Natur interessieren, können sie
sich mit dem Material aus der kosmischen Erziehung auseinandersetzen.
In der Sprachlichen Erziehung bieten
sich für die Kinder genauso viele Möglichkeiten an, um sich das
Alphabet, das Lesen und Schreiben anzueignen. Die Jüngsten aus der
Klasse lernen dabei die Buchstaben erst kennen und üben viel mit den
Vokalen. Da sie das schon sehr früh lernen, können sie spätestens
mit 5 Jahren lesen. Um auch das zu verstehen, was sie lesen, gibt es
viele Zuordnungsübungen.
Es ist sehr schön zu sehen, wenn sich
Kinder einfach umschauen und das lesen, was sie sehen.
Ein anderer Bereich ist die Mathematik.
Es gibt wieder Material für die Kleinsten in der Klasse, mit denen
sie lernen, wie die Zahlen aussehen und welche Menge hinter jeder
Zahl steckt. Die Älteren lernen hier schon das Addieren,
Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Schön finde ich, wenn
sich schon vierjährige Kinder an die Materialien der Älteren trauen
und es auch verstehen. Da die Klassen altersgemischt sind, kann ich
oft beobachten, wie ein älteres Kind dem jüngeren das Material
erklärt.
Mit dieser Vielfalt von Material kann
sich jedes Kind bis zum Sitzkreis um 12 Uhr beschäftigen. In diesem
Sitzkreis wird immer wieder etwas anderes gemacht. Die Erzieherin
erklärt mal ein Experiment, stellt Material vor, übt einige
Vokabeln auf Quechua, macht eine kleine Fragerunde, singt mit den
Kindern oder bewegt sich mit ihnen. Währenddessen bereitet die
andere Erzieherin mit einem Kind das Mittagessen vor, das heißt der
Tisch wird gedeckt und das Essen verteilt.
Wenn alles bereitsteht, meistens um
12:30 Uhr, begeben sich die Kinder zum Mittagessen und ich mich in
meine Mittagspause, die ebenfalls mit dem Mittagessen beginnt. Das
Essen wird von einer Köchin vorbereitet und steht schon bereit.
Um 14 Uhr gehe ich wieder in meine
Klasse. Dort sieht man die Kinder schon fleißig ihre Aufgaben
machen. Meistens wird das Material, an dem sie vormittags gearbeitet
haben, schriftlich festgehalten. Auch das Abzeichnen von
verschiedenen Figuren oder Linien wird hier oft geübt als
Vorbereitung auf das richtige Schreiben. Die Älteren schreiben dann
auch schon richtige Wörter.
Einmal die Woche kommt eine Lehrerin in
jede Klasse und gibt zwei Stunden Musikunterricht. Sie singt und
tanzt mit den Kindern.
Jeden Freitag hat jede Klasse eine
dreiviertel Stunde lang Sport, ebenfalls mit einem Lehrer. Mir wurde
gesagt, dass hier fast jeder Lehrer an mindestens zwei verschiedenen
Stellen arbeitet. Vormittags an einer Schule, nachmittags in einem
Kindergarten oder einer anderen Schule und abends eventuell noch in
einer Abendschule.
Nachmittags bekommt jedes Kind einen
kleinen Snack. Merienda wird es hier genannt. Wackelpudding oder
Kuchen gibt es hier eher seltener, für gewöhnlich werden Früchte
wie Bananen, Ananas, Mandarinen, Orangen oder Papaya verteilt.
Wer fertig ist, wechselt seine Schuhe,
holt seinen Rucksack und setzt sich das letzte Mal für den Tag in
den Sitzkreis. In der letzten halben Stunde kann ich mit den Kindern
singen. Auch englische Lieder oder Lieder, die ich noch aus meiner
Kindergartenzeit kenne, wie Aramsamsam. Den Kindern scheint es zu
gefallen.
Um viertel vor vier stellen sich die
Kinder zu zweit auf und wir begeben uns gemeinsam in den Hof, wo die
Kinder auf ihre Eltern warten bzw. schon manche Eltern auf ihre
Kinder warten. Bis aber alle Kinder abgeholt sind, was spätestens um
halb fünf der Fall ist, können sie miteinander spielen. Mein
Arbeitstag ist um diese Zeit dann auch zu Ende.
So meine Lieben, das wars zu meinem
Arbeitstag. Wie der restliche Tag noch verläuft, hängt vom
Wochentag ab. Montags und freitags gehe ich zum Volleyball und
Donnerstag habe ich Spanischunterricht. Die restlichen Tage bleibe
ich zu Hause, nur am Wochenende treffe ich mich manchmal mit den
anderen Freiwilligen.
Ich hoffe, dass Video hat euch gefallen
und ihr könnt euch jetzt besser vorstellen, wie es bei mir so zu
geht.
Bis zum nächsten Post alles Liebe aus Bolvien, eure My ♥
Bis zum nächsten Post alles Liebe aus Bolvien, eure My ♥
1 Kommentar:
Ganz tolles Video My! Vermisse dich sehr! Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß in Bolivien ♥
Jessica
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